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Der Falkenstein. Ein Waldpark. Der schmale Pfad inmitten steiler Geest-Hänge. Mein Spazierweg. Immer schon … Oben, vom Parkplatz an der entlegenen Straßenkehre, schlängelt er sich, beidseitig dicht gesäumt von Bäumen und Unterholz, in weiten Bögen bis hinunter zur Elbe, zum Falkensteiner Ufer.

Das kleine, einsame, mit Reet gedeckte Häuschen, auf nahezu halber Strecke links des Weges - es ist verschwunden. Verschwunden! Lange behauptete es sich dort am steilen Hang, trotzte jedem Wetter, ließ seine Fenster gut ein Jahrhundert, über die Baumwipfel und weit über den Fluss hinweg, Richtung Süden in das Land blicken. Als wäre es mit dem Berg gütlich verwachsen, so erschien es mir immer. Nun ist es verloren. Abgerissen. Seine Zeit, sie war vorbei. Die ausgehobene Grube an jener Stelle duldet keinen Zweifel.

Ich halte an, bleibe stehen, verharre für eine Weile. In Stillschweigen verabschiede ich mich von dem alten Haus, bevor ich meinen Weg hinab zur Elbe fortsetze, suche noch die Erinnerung, die das bescheidene Gemäuer mir gewiss hinterlassen hat. Alles hat seine Zeit. Und keinesfalls allein die Gegebenheit, dass alles vergänglich ist, fordert meine Gemütsbewegung, sondern vielmehr die Tatsache, dass sie mich stets etwas ratlos erstaunen lässt.

Unten am Strand: Ebbe und Starkwind haben den Strom heute auffallend weit vom Land zurückgezogen. Dort am Ufer, wo sich der hellgraue, feuchte, schwere Sand des Strandes in Schlick wandelt, bestimmt jene Schlammablagerung den Geruch der Sphäre. Seit ewigen Zeiten verhält es sich so. Schwarzbläulich schimmernde Steine von unterschiedlicher Größe liegen am Strand (Schlackensteine aus der Kupferhütte?). Vereinzelnd ragen sie hier und dort aus dem feinen Sand, gesellen sich dergestalt zu den mehr oder weniger vermoderten Resten von unterschiedlich langem, kahlen Astwerk, das der Wind irgendwann den Bäumen entriss. Balkenstummel, wie übrig gebliebene Enden von irgendwelchen Kisten-Brettern zeigen sich. Strandgut.

Alles ist von begrenzter Dauer. Alles. - Bisweilen richtet sich mein Blick zu Boden, hält Ausschau nach einem Stückchen feuchtkaltem Holz, das, wer weiß wie lange schon, Spielball der Natur, der Gezeiten ist. Eine recht alte Gewohnheit von mir. Auf meinem Schreibtisch werde ich es wohl ablegen wollen, will es hin und wieder betrachten, möchte beobachten, wie ihm in absoluter Bedächtigkeit die aufgespeicherte Feuchtigkeit entweicht. Es kann fürwahr eine kleine Ewigkeit dauern, bis dieser Prozess vollends abgeschlossen ist. So meine Erfahrung. Noch nach etlichen Jahren fließt sie, lautlos rauschend, zwischen den Riefen und Furchen des geborgenen Fragments, die Seele des Meeres, ja lässt sich das erhabene Gemüt der Unendlichkeit erkennen. Auch darin ruht womöglich eine Wenigkeit von des Menschen sehnlichst erhoffter Freiheit.